MFH kritisiert Umgang mit Mahnwache für den getöteten Mouhamed Lamine Dramé

Die MFH kritisiert Umgang mit Mahnwache für den getöteten Mouhamed Lamine Dramé und ruft zur Teilnahme an Gedenkkundgebung am 12.08.2023 auf. Vor genau einem Jahr wurde Mouhamed, ein 16-jähriger Jugendlicher, der als unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter aus Senegal in einer Jugendhilfeeinrichtung in Dortmund lebte, durch Polizeischüsse getötet. Laut Dortmunder Staatsanwaltschaft hatte ein Polizeibeamter sechs Schüsse aus seiner Maschinenpistole abgegeben, fünf davon trafen Mouhamed D. in den Bauch, in den Kiefer, in den Unterarm und zweimal in die Schulter. Die Staatsanwaltschaft bestätigte weiter, dass der Jugendliche am Morgen aus einer psychiatrischen Einrichtung entlassen wurde. Der Prozess gegen fünf Polizisten, die an der Tötung von Mouhamed beteiligt waren, hat noch nicht begonnen.

Gestern hat der Solidaritätskreis Mouhamed in Dortmund eine ganztägige Mahnwache organisiert um an den Tod von Mouhamed zu erinnern und Gerechtigkeit einzufordern. Und wieder haben Ordnungskräfte in Dortmund mit unverhältnismäßiger Repression agiert: sie beschlagnahmten Flyer die über den Tod von Mouhamed informierten. Die Beschlagnahmung wurde begründet mit einer vermeintlichen „Abwehr einer gegenwärtigen Gefahr für die öffentliche Sicherheit“.

Schon wieder wurde das Vertrauen in staatliche Strukturen in Dortmund erschüttert. Der Fall von Mouhamed zeigt, an wie vielen Stellen der Umgang mit Geflüchteten unzureichend ist, so auch bei staatlichen Institutionen wie der Polizei. Flüchtlinge, Migrant*innen und BIpoC erleben täglichen Rassismus, der ihre soziale und rechtliche Teilhabe an Gesellschaft massiv einschränkt. Sie können sich in der Regel nicht auf die staatlichen Strukturen verlassen, um ihre Rechte durchzusetzen, da sie nicht als das gesehen was sie sind – Menschen, die für ihre Rechte kämpfen, Flüchtlinge die ihr Recht auf Asyl wahrnehmen, Überlebende die Gewalt im Herkunftsland, auf der Flucht und sogar hier erleben mussten.

Mouhamed gehörte zur Gruppe der besonders Schutzbedürftigen, wurde allerdings von der Polizei als „Gefährder“ behandelt aufgrund seiner Suizidalität. Diese hätte jedoch im Rahmen einer angemessenen psychosozialen Versorgung und professionellen Sprachmittlung behandelt werden können. Die systematischen Mängel in der Versorgung von traumatisierten Flüchtlingen sowie die oftmals fehlende Sensibilität in staatlichen Institutionen müssen endlich behoben werden!

Am Samstag, den 12. August, findet eine bundesweite Gedenkdemo in Dortmund statt und die MFH Bochum ruft dazu auf teilzunehmen um Gerechtigkeit für Mouhamed zu fordern!

 

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