14. März 2026 | 14 Uhr | Kunstmuseum Bochum
Seit über einem Jahrzehnt blutet Syrien. Was als Hoffnung auf Freiheit begann,
wurde zu einer scheinbar endlosen Tragödie, die unzählige Leben gefordert,
Familien zerrissen und Millionen in die Flucht getrieben hat. Doch Syrien ist kein
ferner Konflikt – die Schicksale der Menschen sind längst Teil unserer gemeinsamen
Realität hier in Deutschland geworden. Ihre Trauer, ihre Hoffnung und ihr Kampf um
Würde gehen uns alle an.
Besonders seit den Umbrüchen im Dezember 2024 stehen wir vor einer ungewissen
Zukunft: Während neue Akteure die Macht übernehmen, bleibt das Leid der
Zivilbevölkerung bestehen. Ob Alawiten an der Küste, Drusen in Suweida, die
Betroffenen in Homs, die Vertreibung der Eziden aus Afrin oder die Kurden in
Kobanê – täglich erreichen uns Nachrichten über neue Opfer, von denen auch
Christen in Aleppo, Damaskus, Homs und Hama nicht verschont bleiben. Die
Stimmen derer, die sich nach Demokratie und Freiheit sehnen, werden noch immer
viel zu oft vom neuen Regime zum Schweigen gebracht. Die Übergangsregierung hat
bisher kaum Maßnahmen ergriffen, um die Gewalt der ihnen nahestehenden
Terrorgruppen gegen die Zivilbevölkerung zu verhindern, Übergriffe zu untersuchen
oder Verantwortliche vor Gericht zu stellen.
Wir dürfen nicht wegschauen. Wir wollen verstehen, zuhören und solidarisch an der
Seite der Opfer und all derer stehen, die für ein friedliches und demokratisches
Miteinander in Syrien kämpfen. Fragen, die uns bewegen.
In dieser Konferenz wollen wir Raum für Fragen öffnen, die oft im Verborgenen
bleiben:
Wunden der Vergangenheit: Wie hat das Regime die Menschen gespalten
und gegeneinander aufgehetzt?
Ungewisse Zukunft: Was bedeutet die Machtübernahme durch die HTS für
die unterschiedlichen Gemeinschaften und Menschen vor Ort?
Menschlichkeit unter Beschuss: Wie steht es wirklich um die
Menschenrechte und den Schutz der Schwächsten, von Waisen und Witwen,
Frauen und Kindern?
Hoffnung auf Einheit: Wo und wie finden die unterschiedlichen Minderheiten
und Demokraten trotz allem Wege der Zusammenarbeit?
Unsere Verantwortung: Was erwarten unsere syrischen Mitbürgerinnen und
Mitbürger von uns in Deutschland? Welche Verantwortung tragen wir für das
Syrien von Morgen?
Das Programm: Stimmen der Vielfalt
Wir geben denen eine Stimme, die sonst oft ungehört bleiben. Vertreterinnen und
Vertreter syrischer Minderheiten – Kurden, Alawiten, Christen und Drusen – sowie
mutige Aktivistinnen und Aktivisten werden ihre persönlichen Erfahrungen mit uns
teilen. Zudem wird Prof. Dr. Jens Kreinath (Wichita State University) in einem
Impulsvortrag die historische Tiefe der Menschenrechtslage beleuchten und
besonders an das Schicksal der verfolgten Alawiten erinnern und Wege einer
Aufarbeitung der Menschenrechtsverbrechen aufzeigen.
Wir laden Sie von ganzem Herzen ein, Teil dieser Konferenz zu sein. Ihr Kommen ist
mehr als nur die Teilnahme an einer Veranstaltung – es ist ein kraftvolles Zeichen
des Vertrauens und der Solidarität mit den Menschen in Syrien, die trotz Krieg und
Unterdrückung nicht aufhören, an eine bessere und friedlichere Zukunft zu glauben.
Unter der Moderration Elena Lozaridou werden folgende Referenten die Eindrücke
und Perspektiven schildern:
Prof. Dr. Jens Kreinath (Gründer und Direktor des Institute for the Documentation of
Human Rights Violations against Religious Minorities in the Levant [IDHRV-ARMIL])
Dr. Kamal Sido (Referent für ethnische, religiöse und sprachliche Minderheiten und
Nationalitäten bei der Gesellschaft für bedrohte Völker [GfbV], Göttingen)
Berna Boga und Mutaz Zakia (Vertreter:innen des Phönizier-Rats;
Themenschwerpunkt: Massaker an Alawiten in Syrien)
Nahren Youssef (Syrien-Expertin und Medienanalystin Themenschwerpunkt:
Christliche Assyrer im Khabur-Gebiet [Nordostsyrien])
Omar Alkadamani (Syrischer Politikanalyst / Menschenrechtsaktivist;
Themenschwerpunkt: Massaker an Drusen in Syrien)
Nuri Seyhan Kino (Journalist und syrischer Akivist und Leiter der Organisation A
Demand For Action (angefragt))
Zudem werden sich die jeweiligen Gemeinschaften an Informationstischen selbst
präsentieren und die Möglichkeit zum persönlichen Gespräch anbieten.
Bonem e.V. ist der Veranstalter gefördert durch die Mittel von Demokratie Leben.
Zu den Unterstützern der Veranstaltung und Mitveranstanstalter gehören: AGADEKA
e.V. – Rat der Völker; Institute for the Documentation of Human Rights Violations
against Religious Minorities (IDHRV-ARMIL); Zentralrat orientatlischer Christen e.V.
(ZOCD), Alevitisches Kultur- und Cemhaus Bochum und Umgebung e. V.; Fenike
Rat; AWO Centrum Kultur e.V.; IFAK e.V.; Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum e.V.

