2017-06-26 11:14

Support life after torture – Das Leben nach der Folter unterstützen!



Heute begehen wir den Internationalen Tag der UN zur Unterstützung von Folterüberlebenden. Dies tun wir in herausfordernden Zeiten: Drei Jahrzehnte nachdem die UN-Konvention gegen Folter in Kraft getreten ist, lebt die Mehrheit der Menschen an Orten, wo Folter noch immer real und gegenwärtig ist. Weltweit drohen politische AnführerInnen mit wenig Respekt für Demokratie und Menschenrechte Folter wieder als Teil der Staatspolitik einzusetzen - mit der Unterstützung einiger Teile der Gesellschaften.


Als Konsequenz ist die politische und finanzielle Unterstützung im Kampf gegen Folter schwächer als sie es je war und solange es uns gibt.

IRCT-Gründerin Inge Genefke hat einst Folter als „die effektivste Waffe gegen Demokratie“ bezeichnet. Sie sagt, dass Folter sowohl Persönlichkeit und Identität als auch die Möglichkeit ein erfülltes Leben aufzubauen zerstören soll. Und sie erlebte, wie Folter ganze Familien und Gesellschaften infizieren und auseinanderfallen lassen konnte. Bis zu Fällen, in denen Folter letztlich die Grundfesten unserer demokratischen Gesellschaften – Solidarität und Rechtsstaatlichkeit – aushöhlte.

In Genefkes Worten:

„Wir müssen alle Folterüberlebenden unterstützen, weil sie es benötigen. Weil ihr Körper und Geist in grauenhafter, unerträglicher und unaussprechlicher Art und Weise leiden musste. Weil Folter das Schlimmste ist und es schwierig ist, sich so etwas vorzustellen, solange man es nicht erlebt hat.“

Eine Foltermethode, unter der viele Menschen leiden mussten, war für viele Stunden an den Armen oder Beinen aufgehängt zu werden. Folter ist Falanga [Anmerkung der MFH: Das Schlagen mit Stöcken auf die Fußsohlen der Menschen]. Folter ist, wenn man Elektroden an verschiedenen Stellen des Köpers platziert bekommt. Folter ist, mit Zigaretten verbrannt zu werden oder mit eisernen Gittern überall geschlagen und getreten zu werden; gepeinigt zu werden bis man das Bewusstsein verliert.

Man erleidet Folter, wenn man gezwungen wird, die Schmerzen mitanzusehen, die einem Kind oder Ehepartner zugefügt werden, einem Bruder oder einer Schwester, Vater oder Mutter; wenn man gezwungen wird, hilflos zuzusehen und ihre Schreie und Klagen zu hören, während man nicht in der Lage ist, irgendetwas zu tun.
Folter bedeutet, aller Sinne beraubt zu werden – unserer Fähigkeit zu sehen, zu hören, zu riechen, Tag von Nacht zu unterscheiden und zu lieben.

Folter ist der Alptraum über jene Nacht, als sie Deinen Sohn wegnahmen; die Flashbacks über den Soldaten, der Dich vergewaltigt hat; die Angst, die immer dann kommt, wenn es Feuerwerke gibt; Deine Unfähigkeit, irgendwem zu erzählen was dir passiert ist; die Realisierung, dass Du dein Kind nicht länger ernähren kannst oder kein liebevoller Partner sein kannst und Deine Angst davor, dass Deine Kinder dasselbe erleiden müssen wie Du.
Folter ist die systematische Zerstörung von allem, was uns als Mensch ausmacht.“

Übersetzt von Bianca Schmolze, Menschenrechtsreferentin der MFH.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Bianca Schmolze, Öffentlichkeitsreferentin der MFH, unter b.schmolze@gerechtigkeit-heilt.de bzw. telefonisch unter 0234-9041382
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Foto: Kampagnen-Banner des IRCT zum "Internationalen Tag zur Unterstützung von Folteropfern". Das Kampagnen-Facebookprofilbild sowie das Banner können zur Unterstützung unter http://irct.org/advocacy/26-june heruntergeladen und verwendet werden.

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