2017-06-30 12:48

Gerechtigkeit für die Überlebenden von Colonia Dignidad



Proteste vor der Colonia Dignidad in Chile. (Foto: Periódico Resumen, https://www.flickr.com/photos/resumengrafico/13208962855/, CC BY-NC 2.0, https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/)

In den 1960er Jahren vom Deutschen Paul Schäfer gegründet, kam es in der Colonia Dignidad zu massiven Fällen von Folter, sexualisierter Gewalt und Zwangsarbeit. Der Deutsche trägt als Erfüllungsgehilfe des chilenischen Diktators Augusto Pinochet die Verantwortung für die systematische Folter und Tötung von Oppositionellen.

Schäfer kam nach seiner Festnahme 2005 in Chile wegen dem Verschwindenlassen von Oppositionellen, sexualisiertem Missbrauch von 27 Kindern und der Folterung von Kindern vor Gericht. Er wurde in den verschiedenen Verfahren zu einer langen Haftstrafe verurteilt,  verstarb aber bereits im Jahr 2010.

Überlebende und Angehörige der Opfer verlangen seit vielen Jahren, dass die deutsche Justiz tätig werden soll gegen den Arzt Hartmut Hopp -, damals rechte Hand von Paul Schäfer. Hopp wurde in Chile wegen Beihilfe zum Kindesmissbrauch verurteilt. Er floh daraufhin nach Deutschland und lebt seither unbehelligt in Krefeld. Der oberste Gerichtshof Chiles hatte 2014 beschlossen, dass das Urteil gegen Hopp in Deutschland vollstreckt werden solle. Die deutsche Justiz prüft das jetzt schon seit einigen Jahren – ohne zu einem Ergebnis zu kommen.

Die Überlebenden warten noch immer auf Gerechtigkeit. Umso wichtiger ist der Antrag, der im Bundestag behandelt wurde. Neben der Aufarbeitung der begangenen Verbrechen der Colonia Dignidad soll ein Hilfsfonds für die Überlebenden sowie Angehörigen der Opfer eingerichtet werden, um ihnen eine psychosoziale Betreuung zu ermöglichen. „Es wird Zeit, dass die deutsche Justiz und Gesellschaft sich mit den Verbrechen von Schäfer und Hopp beschäftigt und dafür sorgt, dass den Überlebenden Gerechtigkeit widerfährt“, so Knut Rauchfuss, Vorstandsmitglied der MFH Bochum.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Bianca Schmolze unter pr@mfh-bochum.de oder telefonisch unter 0234 9041382

Weitere Informationen finden Sie unter:
https://www.ecchr.eu/de/unsere-themen/voelkerstraftaten

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